Warum Angebote so weit auseinanderliegen
Der Preis ist ein Symptom. Ob ein App-Projekt teuer wird, hängt selten am Anbieter allein. Es hängt vor allem davon ab, wie konsequent vorher durchdacht wurde, was die App leisten soll und was nicht. Werden diese Fragen erst während der Entwicklung beantwortet, wird das Projekt meist teurer, und die Änderungen kommen spät.
Was möglich ist
Am einen Ende stehen schlanke interne Werkzeuge: eine Zeiterfassung, ein digitales Wartungsprotokoll, ein Außendienst-Tool mit wenigen, klar abgegrenzten Funktionen. Am anderen Ende stehen Apps, die tief in bestehende Systeme wie ERP, CRM oder eigene Hardware integriert sind oder hohe Compliance-Anforderungen erfüllen müssen, etwa unter der NIS-2-Richtlinie oder der KI-Verordnung der EU. Dazwischen liegen die meisten mittelständischen Projekte: eine Service-App für Kunden, ein digitales Werkzeug für den Außendienst, eine interne Prozess-App.
Was diese Fälle unterscheidet, ist vor allem die Komplexität an den Schnittstellen. Im Lastenheft zeigt sie sich selten. Meist wird sie erst sichtbar, wenn sich das erste System weigert, mit dem zweiten zu sprechen.
Was die Kosten treibt
Funktionsumfang
Den Preis treibt weniger die Zahl der Bildschirme als die Art, wie sie zusammenspielen. Eine App mit 20 unabhängigen Bildschirmen ist günstiger als eine mit 8 Bildschirmen, zwischen denen Daten aus vier Systemen synchron laufen müssen.
Der Hebel liegt in der Priorisierung. Die meisten Geschäftsführer, mit denen wir arbeiten, definieren ihre App anfangs zu groß. Wird ehrlich priorisiert, was im ersten Wurf gebraucht wird, schrumpft das Projekt spürbar, ohne dass die App weniger nützlich wird.
Plattform-Wahl
Native Entwicklung bedeutet: iOS und Android werden getrennt programmiert, in unterschiedlichen Sprachen und von unterschiedlichen Spezialisten. Das verdoppelt den Aufwand für Entwicklung und Wartung. Mit Flutter entsteht dagegen eine einzige Codebasis für iOS, Android, Web und Desktop.
Wir setzen bewusst auf Flutter, aber nicht reflexhaft. Native Entwicklung ist sinnvoll bei extrem performance-kritischen Anwendungen, bei tiefem Zugriff auf plattformspezifische Hardware oder wenn nur eine einzige Plattform geplant ist. In allen anderen Fällen, und das sind nach unserer Erfahrung die meisten mittelständischen Projekte, ist Flutter die richtige Wahl. Wichtiger als das Framework selbst ist, dass die Wahl begründet ist.
Testing, Dokumentation, Compliance
Dieser Posten verschwindet in günstigen Angeboten am häufigsten, weil er sich leicht wegdenken lässt, solange noch nichts kaputt ist. Strukturiertes Testing nach ISTQB, saubere Dokumentation und DSGVO-konforme Datenverarbeitung gehören für uns von der ersten Spezifikation an dazu.
Wir testen nach ISTQB, weil ein Fehler, der im Test gefunden wird, nur einen Bruchteil dessen kostet, was derselbe Fehler nach einer Kundenreklamation verursacht.
Drei reale Projekte
Tablet-App für die Inbetriebnahme von Motoren
Eine Flutter-App, die sich per Funkverbindung mit Aktoren verbindet und die Inbetriebnahme direkt auf der Baustelle dokumentiert, auch durch ungeschulte Kräfte. Dazu gehören eine automatisierte Dokumentationserzeugung und eine Nutzerverwaltung. Die Kosten nennen wir bei diesem Projekt nicht. Wenn Sie etwas Ähnliches planen, melden Sie sich.
Interne Angebotskonfiguration für den Vertrieb
Eine plattformunabhängige Desktop-App, die Stammdaten aus dem ERP zieht und Angebote halbautomatisch zusammenstellt. Die Angebotserstellung sank von durchschnittlich 2 Stunden auf 25 Minuten. Konfigurator, ERP-Schnittstelle und Lastenheft: 29.000 €. Dokumentation und Testing: 7.200 €. Summe: 36.200 €.
Die Exposure App für kreative Fotogestaltung
Eine Consumer-App mit rund 10.000 Downloads. Ein KI-Textassistent schreibt Texte mit trendbasierten Prompt-Vorlagen um, dazu kommt ein Canvas-Editor für Social-Media-Posts und Fotobuchseiten. Konzeption und Lastenheft: 7.000 €. Entwicklung: 25.000 €. Monetarisierung und In-App-Werbung: 5.000 €. Testing, DSGVO-Konformität und Dokumentation: 9.250 €. Summe: 46.250 €.
Bei Consumer-Apps dieser Art treiben vor allem ausgiebiges Testing, rechtliche Rahmenbedingungen und Schnittstellen zu Drittanbietern die Kosten. Ein internes Werkzeug kann im Betrieb noch reifen, ein Produkt für Endkunden muss beim Start funktionieren. Mehr zur App steht in der Erfolgsgeschichte.
Vier Muster für ein überteuertes Angebot
Festpreis ohne Lastenheft
Nennt jemand einen Festpreis, bevor die Anforderungen geklärt sind, ist er entweder zu hoch kalkuliert, mit Risikopuffer für alles Ungeklärte, oder zu niedrig, mit eingeplanten Nachforderungen nach der Unterschrift.
Versteckte Wartungskosten
Eine App braucht nach dem Launch laufend Pflege: Anpassungen an neue iOS- und Android-Versionen, Sicherheitspatches, kleine Verbesserungen. Realistisch sind 15 bis 20 Prozent der Entwicklungskosten pro Jahr. Wer 80.000 € Entwicklung anbietet, aber die zu erwartenden 12.000 € bis 16.000 € Wartung im Jahr verschweigt, plant entweder unsauber oder will später nachverhandeln.
Native Doppelentwicklung ohne Begründung
In manchen Mittelstandsprojekten ist sie sinnvoll, in den meisten treibt sie die Kosten ohne Mehrwert. Fragen Sie nach drei konkreten technischen Gründen, warum eine Cross-Platform-Umsetzung für Ihr Projekt nicht reicht.
Overhead einer Großagentur
Verwaltung, Vertrieb, Account-Management und Projekt-Controlling werden aus Ihren Stundensätzen bezahlt. Für ein Projekt über 500.000 € kann das sinnvoll sein. Für mittelständische App-Projekte zwischen 30.000 € und 150.000 € ist es meist überdimensioniert.
Wer die Wartung übernimmt
Die 15 bis 20 Prozent Wartungskosten im Jahr gehören zur Aufgabe. Wir übernehmen diesen Teil selbst, mit demselben Ansprechpartner und denselben Tests wie bei der Erstentwicklung. Ein neues Team, das die App erst verstehen muss, braucht es dafür nicht. Den Standard Motor Interface e.V. betreuen wir so seit mehreren Jahren über einen festen Servicevertrag.
Wenn Sie selbst noch sondieren, ermitteln Sie mit unserem App-Konfigurator eine eigene Spanne, bevor Sie das erste Angebot einholen.
